Die Enstehungsgeschichte des BbAB
Achim Walter Neunzling hatte im Jahre 1994 durch Zufall festgestellt, dass es damals
keine Informations- und Beratungsstellen gab, bei denen sich Körperbehinderte global
über die Themen Führerschein, Fahrzeug, Zusatzausstattungen, Förderungen oder Zuschüsse
usw. informieren konnten. Wer entsprechende Informationen benötigte mußte sich diese
bei den Straßenverkehrsbehörden, Versorgungs- und Arbeitsämtern, Kfz-Umrüster usw.
einzeln besorgen. Selbst die großen Sozial- und Behindertenverbände (VdK, Reichsbund,
Club Behinderter und ihrer Freunde usw.) konnten bei konkreten technischen Fragen
in Bezug auf das Auto kaum helfen.
In den neuen Bundesländern waren die Informationsmöglichkeiten sogar katastrophal.
Parallel kam die Frage auf, warum bestimmte Berufsgruppen (wie zum Beispiel Journalisten)
bei einigen Automobilfirmen Sonderrabatte erhalten und die Gruppe der Behinderten
nicht.
Vor diesem Hintergrund wurde 1995 von Achim Neunzling - mit tatkräftiger Unterstützung
seiner Ehefrau Edith und Schwiegersohn Peter Hübner - der BbAB als überregionale
„Spezialorganisation“ gegründet. Zweck des Vereins ist satzungsgemäß von Anfang
an die Kostenminimierung in Bezug auf die Fahrzeuganschaffung und Haltung sowie
der Bereich Information für Aktiv- und Passivfahrer, Kfz-Hersteller, Presse usw.
sowie Erfahrungsaustausch unter Behinderten.
Da wegen des alten Wettbewerbsrechtes die Gewährung von Behindertenrabatten nicht
möglich war, wurde von 1997 bis 2003 ein Weg gefunden, wie der BbAB die Anschaffungen
von Fahrzeugen des Fiat Konzerns (Fiat, Lancia und Alfa Romeo) mit DM 2.350,-/ €
1.200,- unterstützen konnte.
Projekt „Behindertenrabatt beim Autokauf“
Nach Änderung des Rabattgesetzes im Jahre 2001 wurde das Thema Rabatte für Behinderte
in einer Kooperation mit Renault ab April 2002 erstmals umgesetzt und sehr erfolgreich
praktiziert. Der BbAB nimmt für sich in Anspruch, die offiziellen Behindertenrabatte
beim Autokauf initiiert zu haben. Heute gilt die Übersicht des BbAB mit den Rabattsätzen
der jeweiligen Hersteller als beste Orientierung auf diesem Gebiet. Siehe www.bbab.de/Behindertenrabatte.
Projekt „Rolli-In®“ (2004 – 2007)
Ebenfalls auf die Liste seiner Erfolge setzt der BbAB die Popularisierung der „Rolli-In“-Fahrzeugen;
diese Bezeichnung schuf Achim Neunzling für die Großraum-Pkws, die es
ohne optische Veränderungen erlauben, Behinderte im Rollstuhl zu befördern
(Renault Kangoo, VW Caddy und Co.). Durch die Abbildung eines Renault Kangoos mit
dem dazu notwendigen Spezialeinbau im Heck in diversen Zeitungen und Zeitschriften
erfuhr im Sommer 2002 diese Fahrzeuggattung eine große Steigerung der Bekanntheit
– vor allen bei Personengruppe, die keine Fachmessen besuchen oder Fachpublikationen
lesen.
Im Rahmen eines Projektes mit dem Namen „Rolli-In“ trug der BbAB seit
dem Herbst 2004 dazu bei, dass durch eine stärkere Präsenz und Verfügbarkeit
solcher Fahrzeuge Rollstuhlfahrern in Zukunft zu mehr Mobilität verholfen wird.
Als Demonstrationsobjekt für Interessenten im privaten und gewerblichen Bereich
standen eigene Fahrzeuge in Saarbrücken zur Verfügung.
Durch die Initiative zur Entwicklung eines Umbaus, der es wahlweise ermöglicht
einen Rollstuhl-Passagier aufzunehmen oder den Kofferraum zu nutzen, hat der BbAB
eine neue Ära bei den Beförderungsfahrzeugen eingeleitet. Die alternative
Nutzungsmöglichkeit dieser Doppelfunktions- oder kurz „DF-Rampe“
erlaubt einen vielseitigeren Einsatz des damit ausgestatteten Mini-Vans. Dies ist
vor allen bei Miet- und Taxi-Fahrzeugen von entscheidender Bedeutung. Das Projekt
„Rolli-In“ wurde Ende 2007 abgeschlossen.
Projekt „Elektronische Hilfen“
Um die Zuverlässigkeit von serienmäßig im Fahrzeug vorhandenen elektronischen Hilfen
wie Chip-Karte statt Schlüssel, elektrisch betriebene Handbremse, Licht- und Scheibenwisch-Sensor,
Einparkhilfen usw. im Dauerbetrieb zu testen, war von Februar 2008 bis November
2009 ein Renault Scénic beim BbAB im Einsatz. Im Rahmen eines Langzeit-Tests wollte
der BbAB neben der Alltagstauglichkeit der Systeme unter anderem auch eigene Erfahrungen
in Bezug auf den Spritverbrauch des Dieselmotors mit Russfilter und Automatikgetriebe
sammeln. Die Ergebnisse sind in einem Artikel der Zeitschrift HANDICAP veröffentlicht
worden.
Artikel in HANDICAP Ausgabe 2/2009
Den richtigen „Riecher“ gehabt
Ein weiterer Beweis für den Weitblick des BbAB ist folgender: Achim Neunzling hat
1996 beim Erscheinen des Renault Scénic das große Potential dieser neuen Fahrzeuggattung
mit ihren höher positionierten Sitzen für Personen mit Rücken-, Becken- oder Hüftproblemen
(sowie älteren Menschen) erkannt und sich für die Schaffung eines Bekanntheitsgrades
bzw. Imagebildung der Minivans eingesetzt. Da es diese Fahrzeuge mittlerweile in
allen Klassen zu haben sind, sieht sich Neunzling bestätigt.
Ansichtssache: Mechanik vor Elektronik
Bei Umrüstungen hat der BbAB eine klare Philosophie: Beim Umbau möglichst mechanische
Teile – wegen der höheren Zuverlässigkeit. Elektronik nur wenn mechanisch schwer
möglich, wie zum Beispiel bei Bediengeräten am Lenkrad usw.
Ein besonderes Anliegen des BbAB
Seit Jahren engagiert sich der BbAB für das Tragen von Warnwesten wenn man außerhalb
geschlossener Ortschaften das Fahrzeug verlässt und sich auf der Fahrbahn oder dem
Randstreifen aufhält. Um diesbezüglich ein Zeichen zu setzen stattet der BbAB seine
Mitglieder kostenlos mit Warnwesten aus.
Gerade behinderte oder ältere Personen, rät der BbAB-Vorsitzende Achim Walter Neunzling,
sollten zu Ihrer persönlichen Sicherheit eine Warnweste immer im Fahrzeug griffbereit
haben und bei einer Panne oder Unfall vor dem Aussteigen anlegen. Es geht um die
Signalwirkung, sagt Neunzling, denn während sich Menschen ohne Behinderung in Gefahrensituationen
möglicherweise noch durch einen Sprung zur Seite retten können, haben Personen mit
gehandicaptem Bewegungsapparat diese Chance nicht.
Teilnahme-Unterstützung an Fahrsicherheitstrainings
Seit 2010 motiviert der BbAB seine Mitglieder - oder deren Angehörige - zur Teilnahme
an einem Fahrsicherheitstraining und unterstützt dies mit jeweils 25 Euro. Sinn
dieser Maßnahme ist es, die Möglichkeiten der modernen Systeme wie ABS, ESP usw.
effizienter nutzen zu können und somit im Notfall körperliche und materielle Schäden
zu vermeiden.
Artikel in HANDICAP Ausgabe
2/2010